Durchgeführt wurde das Pilotprojekt zum ersten Mal an 16 Schulen im entlegenen Distrikt Bajhang in der Provinz 7 (Nepal ist in 7 Provinzen unterteilt, die von Ost nach West nummeriert sind.):

Ende 2017 schickte HEAR Nepal drei je dreiköpfige Teams nach Bajhang, um eine Grunderhebung in allen 72 staatlichen Schulen durchzuführen.  Wegen der großen Entfernungen und schlechter Straßenbedingungen ging das nur mit Motorrädern oder zu Fuß. Nach Erhalt der notwendigen Erlaubnisse, wurden die Lehrer und Schüler befragt.  Dabei wurde auch festgestellt, ob andere, und, wenn ja, welche Organisationen, bereits im Gesundheitsbereich in dieser Region tätig sind, um Doppelungen zu vermeiden und mögliche Kooperationen zu initiieren.

Im April und Mai fanden zwei  fünftägige Trainings an 16 Schulen, mit insgesamt 96 Schülern, statt – so, wie die Trainings 2017. Die Health Clubs unterrichten wöchentlich ihre Mitschüler und werden von einem HEAR Nepal Team dabei begleitet. An allen Schulen nehmen später im Jahr die Eltern aller Schüler an einem zweitägigen Workshop teil.

2018 beginnt HEAR Nepal außerdem ein jährliches Programm für sogenannte traditionelle Heiler oder Schamanen. Aufgrund mangelnder medizinischer Einrichtungen ist es für die Menschen in Bajhang üblich, sich bei Beschwerden an lokalen Schamanen und traditionellen Heiler zu wenden. Deren Behandlungen sind allerdings oft erfolglos. Immer wieder kommt es vor, dass ein an Durchfall oder Ruhr erkranktes Kind mit schamanischen Methoden behandelt wird und stirbt. Unser Programm vermittelt den Heilern zusätzlich Methoden aus der westlichen Medizin. Wenn sie mehr über Ursachen und Prävention von Krankheiten wissen, könnten sie mit der Zeit auch Methoden der westlichen Medizin in ihr Repertoire aufnehmen. Zum Beispiel könnten sie das Leben eines Kindes durch die Verabreichung oraler Rehydrierungssalze retten. Sie werden auch gebeten, Patienten in eine Gesundheits-Station oder Klinik zu schicken, wenn sich ihr Zustand nicht nach einigen Tagen verbessert hat.

HEAR Nepal ist der Meinung, dass eine andere Einstellung der Heiler und Schamanen sehr wichtig wäre, um die Ansichten zur Menstruation und der Chhaupadi-Tradition (lesen pop-up) zu verändern. Würden sie klarstellen, dass Chhaupadi nicht religiös bestimmt und Menstruationsblut etwas Natürliches und nicht Sündiges ist, hätte das sehr große Auswirkung auf dem Umgang mit Menstruation in Dörfer und Gemeinden. Es würde langfristig bedeuten, dass Schulmädchen nicht eine Woche im Monat den Unterricht verpassen, weil sie während ihrer Periode 5-7 Tage und Nächte, bei Reis und Salz, in einer Art Käfig ausharren müssen – manchmal weit von zuhause weg, ausharren müssen.